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GmbH (Allgemein)

Spardose

Rz. 32

a) Die GmbH, als Spardose, ist ein Steuermodell

Dies liegt daran, dass Einnahmen aus Kapitalvermögen

  • bei einer GmbH anders versteuert werden,

  • als bei einer natürlichen Person.

Bei einer natürlichen Person werden die Einkünfte aus Kapitalvermögen mit 25% Kapitalertragssteuer versteuert. Bei der Ermittlung der Einkünfte, werden die Einnahmen oder Gewinne nicht begünstigt und für die Berechnung der Steuer gemindert

Eine GmbH ist körperschaftsteuerpflichtig und gewerbesteuerpflichtig. Der Gewinn einer GmbH unterliegt daher regelmäßig einer Besteuerung von 30% (15% KSt + 15% GewSt).

Wird das Geld aus der GmbH an den Gesellschafter ausgeschüttet (sog. Gewinnausschüttung), dann verdient der Staat erneut mit, mit 25% Kapitalertragssteuer (KapESt). Dies ergibt eine Steuerbelastung von ca. 55%, bis das Geld beim Gesellschafter auf seinem Privatkonto ist, z.B. von einem Gewinn von 10.000 EUR in der GmbH, kommen auf dem Privatkonto lediglich 4.500 EUR an.

b) Trotz dieser Steuerbelastung des Gewinns mit insgesamt 55%, bis er beim Gesellschafter ankommt, kann sich eine vermögensverwaltende GmbH für bestimmte Anleger lohnen. Der Grund liegt teilweise in den Sonderregelungen für Aktienverkäufe und Dividendenausschüttungen, wonach fast 95% der Aktiengewinne in der GmbH oder Dividendenausschüttungen an die GmbH steuerfrei sind sowie der Möglichkeit die Verwaltungskosten (wie Depotgebühren) und Kosten für Besuche von Hauptversammlungen als Ausgaben gewinnmindernd geltend zu machen.

Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an Körperschaftsgesellschaften (z.B. Gewinne aus Aktienverkauf) bleiben bei der Ermittlung des Einkommens der GmbH außer Ansatz (vgl. § 8b Abs. 2 KStG@). Von den gesamten Einkünften aus Gewerbebetrieb der GmbH, werden die Gewinneinnahmen aus Aktienverkauf abgezogen. Allerdings gelten kraft Gesetz 5 Prozent des Gewinns als nicht abziehbare Ausgaben (§ 8b Abs. 3 KStG@), so dass immerhin 95 % des Gewinns aus Aktienverkauf steuerfrei sind. Auch Gewinnausschüttungen an die GmbH bleiben bei der Ermittlung des Einkommens außer Ansatz (§ 8b Abs. 1 KStG@), dies aber erst ab einer Beteiligung von 10 % an der ausschüttenden Gesellschaft (§ 8b Abs. 4 KStG@), allerdings gelten dann kraft Gesetz 5 Prozent der Bezüge als nicht abziehbare Ausgaben (§ 8b Abs. 5 KStG@), so dass 95 % einer Gewinnausschüttung steuerfrei sind. Durch diese Sonderregelungen wird die Berechnungsgrundlage für die KSt erheblich gemindert.

Beispiel: Von 10.000 EUR Aktiengewinnen sind nur 5 % des Gewinn zu versteuern (10.000 EUR x 5% = 500 EUR). Dieser Betrag wird mit 30% Steuern (KSt und GewSt) versteuert (500 EUR x 30% = 150 EUR). Nach der Bezahlung von 150 EUR Steuern an das Finanzamt verbleiben 9.850 EUR in der GmbH. Möchte der Anleger das Geld auf seinem Privatkonto haben, ist eine Ausschüttung (Auszahlung) an den Gesellschafter erforderlich. Eine Gewinnausschüttung hat der Gesellschafter mit 25% Kapitalertragssteuer zu versteuern (9.850 EUR x 25% = 2.462 EUR). Von den 10.000 EUR Veräußerungsgewinn auf dem GmbH-Konto verbleiben dem Gesellschafter nach den Steuerzahlungen nur noch 7.388 EUR auf seinem Privatkonto. Hat der Anleger keine GmbH, dann verbleiben ihm 7.500 EUR, nach Abzug von 2.500 Steuern von 10.000 EUR (10.000 EUR x 25% KapESt = 2.500 EUR). Der Privatanleger hat zunächst mehr Geld auf dem Privatkonto, als der Anleger mit einer GmbH. Hat der Anleger mit einer GmbH hohe Verwaltungskosten und hohe Kosten wegen des Besuchs von Hauptversammlungen, dann kann er diese als Ausgaben absetzen und so den zu versteuernden Gewinn verringern. Der Privatanleger kann lediglich ca. 800 EUR als Sparerpauschalbetrag geltend machen. Liegen also die Anlagenkosten weit über 800 EUR, kann sich eine GmbH als Spardose lohnen.

Beispiel: Auch von 10.000 EUR Gewinnausschüttungen an die vermögensverwaltende GmbH sind nur 5% der Ausschüttungen zu versteuern, wenn die vermögensverwaltende GmbH über 10% Anteil an der ausschüttenden Gesellschaft hält. Hat z.B. eine vermögensverwaltende GmbH mit 16% Beteiligung an einer anderen GmbH Einnahmen aus Gewinnausschüttung und zusätzlich Gewinne aus Verkäufen von Aktien unterliegen nur 5% dieser Einkünfte der KSt, wegen den Sonderregelungen zu Dividenden und Aktienverkäufen.

c) Ein weiterer Vorteil einer vermögensverwaltende GmbH ist, dass Erträge aus Aktienfonds bei Kapitalgesellschaften zu 80% steuerfrei sind, bei einer natürlichen Person nur zu 30% (§ 20 Abs. 1 InvStG).

d) Eine GmbH kann sich auch als Spardose lohnen, wenn man das Geld mehrere Jahre in der GmbH belassen will. Kommt es nicht zur Ausschüttung, dann stehen dem Anleger bei einem Veräußerungsgewinn von 10.000 EUR einen Geldbetrag von 9.850 EUR für weitere Anlagen zur freien Verfügung. Einem Privatanleger (ohne GmbH) verbleiben von 10.000 EUR lediglich 7.500 EUR zum Anlegen. Auf Jahre gesehen, kann das Liegenlassen von Gewinnen in der GmbH wegen dem höheren Wiederanlagenbetrag vorteilhaft sein.

Beispiel: Möglich ist, dass man Gewinne bis zur Rente in der GmbH belässt und sich im Rentenalter monatliche Auszahlungen gönnt. Liegt der persöniche Steuersatz im Rentenalter unter 25%, dann muss man bei einer Ausschütung nicht 25% Steuern, sondern nur Steuern in Höhe des persönlichen Steuersatzes bezahlen (dazu siehe Durchschnittssteuersatz).

f) Neben den steuerlichen Vorteilen einer vermögensverwaltenden GmbH müssen aber die allgemeinen Verwaltungskosten einer GmbH mit berücksichtigt werden.

Eine GmbH steht im Handelsregister und ist bilanzierungspflichtig. Wer nicht bilanzieren kann, muss die Bilanz durch einen Steuerberater machen lassen. Die Bilanzierungskosten des Steuerberaters müssen erst durch Anlagengewinne erwirtschaftet sein. Daneben besteht für eine GmbH eine IHK-Beitragspflicht und eine kostenpflichtige Offenlegungspflicht der Bilanz.

Je geringer der Veräußerungsgewinn, desto geringer der Vorteil des höheren Wiederanlagenbetrags in der GmbH, denn die allgemeinen Verwaltungskosten einer GmbH und die Bilanzierungskosten fallen immer an, also bei Gewinnen und Verlusten aus Aktiengeschäften.

g) Zu berücksichtigen sind auch die steuerlichen Nachteile von Aktiengeschäften einer vermögensverwaltenden GmbH. Ein Verlustrücktrag oder Verlustvortrag zum Ausgleich der Verluste mit Ertragsjahren ist nicht möglich. Dies gilt insbesondere für Verluste aus solchen Aktienverkäufen, deren Gewinne bei der Ermittlung des Einkommens nach Abs. 2 außer Ansatz blieben (vgl. § 8b Abs. 3 KStG@).

Diese Vorschrift dient der Ermittlung des Einkommens einer Kapitalgesellschaft und regelt die Verlustverrechnung bei Kapitalgesellschaften. Danach sind Gewinnminderungen, die im Zusammenhang mit dem in Absatz 2 genannten Anteil entstehen (Verluste aus Aktienverkäufen) bei der Ermittlung des Einkommens nicht zu berücksichtigen.

h) Hinsichtlich Termingeschäfte einer GmbH (Future, Optionen) gibt es keine Sonderregelungen (wie für Aktiengeschäfte, § 8b Abs. 1 KStG@), die den Gewinn von Termingeschäften mindern. Von der Steuerfreistellung nach § 8b KStG@ werden (nur) Anteile an einer Körperschaft erfasst. Bezugsrechte an solchen Anteilen gehören nicht dazu (BFH v. 23.01.2008 - I R 101/06). Gewinne aus der Veräußerung von Bezugsrechten werden für die Steuerberechnung nicht gemindet. Sie sind in voller Höhe körperschaftsteuerpflichtig.

§ 8b Abs. 1 KStG@ verweist auf § 20 Abs. 1 EStG@ und nicht auch auf Abs. 2, der die Gewinne aus Termingeschäften erfasst. Gewinne aus Termingeschäfte werden daher nicht begünstigt, sie werden in voller Höhe besteuert. Auch Einnahmen aus Stillhalteprämien (§ 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG@) sind nicht begünstigt, vgl. 8 Abs. 1 KStG.

Unter bestimmten Bedingungen können Erträge aus Termingeschäften den steuerfreien Erträge aus Aktienverkäufen zugerechnet werden (vgl. BFH, 10.04.2019 - I R 20/16).

Erfolgt der Kauf von Aktien in Fremdwährung und sichert der Aktienkäufer das Währungsrisiko durch ein Devisentermingeschäften ab, so sind die Erträge aus den Devisentermingeschäften bei der Berechnung des nach § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG@ steuerfreien Veräußerungsgewinns aus dem Verkauf der Anteile zu berücksichtigen (vgl. BGH aaO).

i) Für die Verrechnung von Verlusten aus Termingeschäften ist § 15 EStG@ (Einkünfte aus Gewerbebetrieb), insbesondere § 15 Abs. 4 EStG@, maßgebend. Diese Vorschrift regelt die Verrechnung von Verlusten aus gewerblicher Tierzucht und gilt auch für Verluste aus Termingeschäften, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich (oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag oder Vorteil) erlangt (vgl. BFH, 21.02.2018 - I R 60/16, unter B.III.2a; siehe auch BStBl 2018 II S. 637). Gewinne und Verluste aus Termingeschäften innerhalb des Wirtschaftsjahrs können verrechnet werden. Die Vorschrift erfasst den Saldo sämtlicher Termingeschäfte im Wirtschaftsjahr. Bleibt am Ende des Wirtschaftsjahrs ein Verlust, mindern die Verluste nach Maßgabe des § 10d EStG@ die Gewinne, die der Steuerpflichtige in dem unmittelbar vorangegangenen und in den folgenden Wirtschaftsjahren aus den genannten Einkunftsquellen erzielt hat oder erzielt (siehe BFH aaO, unter B.III.2a. mit Bezug auf § 15 Abs. 4 EStG@).

j) Die Regelungen des § 20 EStG@ (Einkünfte aus Kapitalvermögen) sind zwar für den Privatbereich, aber nicht für die GmbH von Bedeutung. Diese Vorschrift ist auf die GmbH nicht anwendbar. Die Anwendung des § 20 EStG@ ist ausgeschlossen, wenn Kapitaleinkünfte nach Abs. 1 - 3 zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehören (§ 20 Abs. 8 EStG@). Dies ist bei Kapitalgesellschaften der Fall. Bei den Kapitalgesellschaften sind alle Einkünfte als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu behandeln (§ 8 Abs. 2 KStG@).


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